1 Jahr ohne Lorenz
Mittlerweile ist es fast ein Jahr her, dass Lorenz in der Nacht zu Ostersonntag am 20.04.2025 mitten in der Oldenburger Innenstadt von der Polizei erschossen wurde. Vier Schüsse trafen Lorenz, drei davon von hinten. Lorenz verstarb an den Schüssen im Alter von 21 Jahren.
Lorenz war ein Sohn, ein Bruder, ein Freund, ein Kind der Stadt Oldenburg, ein Teil unserer Community. Viele Menschen kannten, mochten und liebten Lorenz und vermissen ihn bitterlich.
1 Jahr Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt
Mit tausenden Menschen protestieren wir seitdem in Oldenburg und ganz Deutschland gegen die brutale und rassistische Polizeigewalt, die Lorenz aus dem Leben riss.
Die rassistische Gewalt gegen Lorenz als jungen Schwarzen Mann setzt sich sogar nach seinem Tod fort v.a. in der Presse und in den sozialen Medien. Die Markierung und Entmenschlichung Schwarzer und rassifizierter Männer als „gefährlich“ hat lebensbedrohliche Konsequenzen für sie, die von „Racial Profiling“ über Polizeigewalt bis hin zu tödlichen Schüssen reichen.
Denn die Tötung von Lorenz war kein Einzelfall. Die Kampagne „Death in Custody“ zählte für den Zeitraum 1. Januar 1990 bis 31. Dezember 2024 266 Todesfälle von „rassistisch unterdrückten“ Menschen in Haft, im Gewahrsam oder durch Polizeigewalt. Auch im letzten Jahr sind laut der Kampagne außer Lorenz noch mindestens 23 Menschen in Haft, Gewahrsam oder durch Polizeigewalt gestorben; darunter Qabel in Nürnberg, Nelson in Ottweiler und einige, deren Namen nicht bekannt sind.
1 Jahr ohne Aufklärung, Konsequenzen oder Gerechtigkeit
Auch bei der Polizei Oldenburg ging die rassistische Verurteilung von Lorenz selbst nach seinem Tod weiter. Wochenlang wurde gegen den toten Lorenz ermittelt, der teilweise sogar in Akten als Täter bezeichnet wurde. Obwohl Ermittlungen gegen Tote in Deutschland verboten sind.
Anfang November verkündete die Staatsanwaltschaft Oldenburg nach schleppenden Ermittlungen Anklage gegen den Polizisten zu erheben, der Lorenz erschossen hatte – wegen fahrlässiger Tötung. Wir haben kein Verständnis dafür, warum die Staatsanwaltschaft nicht Klage wegen Totschlags erhebt. Es kann kein fahrlässiges Versehen sein, auf eine Person, die wegläuft, mehrfach zu schießen. Das war kein Unfall, kein tragisches Missverständnis, sondern ein Unrecht, das Konsequenzen haben muss!
Auch wenn es ein Schritt hin zu Gerechtigkeit darstellt, dass die StA Anklage erhebt, sind wir uns dessen bewusst, dass die Chancen gering sind, dass der Polizist, der Lorenz erschossen hat, Konsequenzen erfahren wird. Dabei denken wir u.a. an den Prozess in Dortmund gegen die Polizist*innen, die 2022 Mouhamed Lamine Dramé in Dortmund erschossen haben. Sie alle kamen ohne Konsequenzen davon, obwohl sogar das Gericht es als erwiesen ansah, dass die Polizist*innen in keiner Notwehrsituation gewesen wären.
Und selbst wenn der Polizist, der Lorenz erschossen hat, verurteilt würde:
Lorenz bleibt tot. Die Polizei bleibt strukturell rassistisch.
Deswegen müssen wir gemeinsam laut bleiben und uns für Veränderung einsetzen!
Long Live Lorenz!
No Justice, No Peace!

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